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infoCenter (Stand: Mai 2022)

Nichtfinanzielle Berichterstattungspflicht (HGB)

Prof. Dr. Hanno Kirsch

1. Definition und Funktionen

Die in Gestalt der nichtfinanziellen (Konzern-)Erklärung oder eines gesonderten nichtfinanziellen (Konzern-)Berichts auftretende nichtfinanzielle Berichterstattung ergänzt die aus Jahresabschluss und Lagebericht (ohne nichtfinanzielle Erklärung) bzw. Konzernabschluss und Konzernlagebericht (ohne nichtfinanzielle Konzernerklärung) bestehende finanzielle Berichterstattung um Aspekte, die sich nicht in der kaufmännischen Rechnungslegung niederschlagen.

Aufgabe der nichtfinanziellen Berichterstattungspflicht in Einzel- und Konzernabschluss ist es, die Transparenz der Sozial- und Umweltberichterstattung der Unternehmen und Konzerne aller Branchen auf ein vergleichbares hohes Niveau zu heben und durch die Offenlegung dieser Informationen das Vertrauen von Verbrauchern in die Unternehmen und deren Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte zu steigern. Zusätzlich soll mit der Offenlegung auch eine stärkere Verankerung der nichtfinanziellen Aspekte im Verhalten von Unternehmen bewirkt werden. Die nichtfinanzielle Berichterstattung hat somit primär sowohl eine Informationsfunktion als auch eine Rechenschaftslegungsfunktion und sekundär auch eine verhaltensbeeinflussende Funktion (vgl. ).

Im Kern sollen zu diesem Zweck Angaben gemacht werden, die sowohl für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage der Bericht erstattenden Einheit als auch für das Verständnis der Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die einzelnen nichtfinanziellen Aspekte (vgl. Abschnitt 4.2.3) erforderlich sind.

Die nichtfinanzielle (Konzern-)Berichterstattungspflicht kann entweder durch eine nichtfinanzielle (Konzern-)Erklärung erfüllt werden, um die der (Konzern-)Lagebericht erweitert wird (vgl. § 289b Abs. 1 Satz 1 HGB bzw. § 315b Abs. 1 Satz 1 HGB), oder durch einen inhaltlich gleichwertigen gesonderten nichtfinanziellen (Konzern-)Bericht gem. § 289b Abs. 3 HGB bzw. § 315b Abs. 3 HGB (vgl. Abschnitte 2.1 und 2.2).

Die nichtfinanzielle Erklärung des zur Aufstellung des Konzernabschlusses verpflichteten Mutterunternehmens darf mit der nichtfinanziellen Konzernerklärung zusammengefasst werden, sofern das Mutterunternehmen auch einen zusammengefassten Lagebericht erstellt (DRS 20.245). Ebenso besteht die Möglichkeit der Zusammenfassung des gesonderten nichtfinanziellen Berichts des Mutterunternehmens und des gesonderten nichtfinanziellen Konzernberichts (DRS 20.248).

2. Aufstellungs-, Prüfungs- und Offenlegungspflichten

2.1. Unternehmensbezogene Aufstellungs-, Prüfungs- und Offenlegungspflichten

Die Pflicht zur Erweiterung des Lageberichts um eine nichtfinanzielle Erklärung betrifft folgende Unternehmen (erstmalige Anwendungsverpflichtung für die nach dem beginnenden Geschäftsjahre!):

  • Kapitalgesellschaften,

  • Personengesellschaften, bei denen nicht mindestens ein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist,

  • SE (europäische Aktiengesellschaften),

  • Genossenschaften,

  • Kreditinstitute, rechtsformunabhängig,

  • Versicherungsunternehmen, rechtsformunabhängig,

sofern diese folgende Größenmerkmale (grundsätzlich an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen; vgl. § 289b Abs. 1 Satz 2 HGB i. V. mit § 267 Abs. 4 und 5 HGB) erfüllen:

Zusätzlich müssen Kapitalgesellschaften, SE und Personenhandelsgesellschaften i. S. des § 264a HGB und Genossenschaften zur Auslösung der nichtfinanziellen Berichtspflicht noch kapitalmarktorientiert i. S. des § 264d HGB sein.

Hinweis:

Die EU-Kommission plant, den Anwendungsbereich der zur Aufstellung einer nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichteten Unternehmen signifikant zu erweitern. Danach sollen künftig (voraussichtlich ab Geschäftsjahr 2023) alle großen Kapitalgesellschaften und ab 2026 alle an einem regulierten Markt in der EU gelisteten Unternehmen (ausgenommen Kleinstunternehmen, Micros) der nichtfinanziellen Berichterstattungspflicht unterliegen (Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinien 2013/34/EU, 2004/109/EC, 2006/43/EC und der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen vom , COM (2021), 189 final; abrufbar unter https://go.nwb.de/6ymiy; vgl. Art. 19a Nr. 1 des Entwurfs der Änderung der Richtlinie 2013/34/EU sowie S. 16).

Die Offenlegung der nichtfinanziellen Erklärung erfolgt im Rahmen der Offenlegung des Lageberichts nach § 325 HGB.

Die nichtfinanzielle Erklärung kann durch einen inhaltlich gleichwertigen gesonderten nichtfinanziellen Bericht ersetzt werden, wenn dieser entweder zusammen mit dem Lagebericht nach § 325 HGB offengelegt wird oder auf der Internetseite der Gesellschaft spätestens vier Monate nach dem Abschlussstichtag und mindestens für zehn Jahre öffentlich zugänglich gemacht wird, sofern der Lagebericht auf diese Veröffentlichung unter Angabe der Internetseite Bezug nimmt (vgl. § 289b Abs. 3 Satz 1 HGB).

Hinweis:

Die EU-Kommission plant, das Mitgliedstaatenwahlrecht, die nichtfinanzielle Berichterstattung in einen Bericht außerhalb des Lageberichts zu verlagern, zu streichen (Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinien 2013/34/EU, 2004/109/EC, 2006/43/EC und der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen vom , COM (2021), 189 final; abrufbar unter https://go.nwb.de/6ymiy; vgl. Art. 19a des Entwurfs der Änderung der Richtlinie 2013/34/EU sowie S. 16).

Eine Befreiung von der nichtfinanziellen Berichtspflicht ist für Tochterunternehmen unter folgenden kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen möglich:

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