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infoCenter (Stand: September 2021)

Doppelte Haushaltsführung

Bernd Langenkämper
Befristete Anhebung der Entfernungspauschale im Rahmen der doppelten Haushaltsführung

Mit dem Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 wird zur Entlastung der Pendler ab dem befristet bis zum für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer um 5 Cent auf 35 Cent (und ab dem um weitere 3 Cent auf dann 38 Cent) angehoben. Das gilt auch für Fahrten von Selbständigen zu ihrer Betriebsstätte und für Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung.

Für Personen, die mit ihrem zu versteuernden Einkommen innerhalb des Grundfreibetrags liegen, führt ein höherer Werbungskostenabzug infolge der erhöhten Entfernungspauschalen zu keiner entsprechenden steuerlichen Entlastung. Für diesen Personenkreis ist die Möglichkeit geschaffen werden, alternativ zu der erhöhten Entfernungspauschale von 35 Cent (38 Cent) ab dem 21. Entfernungskilometer eine Mobilitätsprämie in Höhe von 14 % dieser erhöhten Pauschale zu beantragen.

Ersetzendes BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung der Reisekosten von Arbeitnehmern

Mit dem hat das BMF sein bisheriges Schreiben vom ersetzt und dabei einerseits BFH-Rechtsprechung umgesetzt, aber auch neue Verwaltungsgrundsätze aufgestellt. Besonders ist auf die Vereinfachungsregelung hinzuweisen, nach der bei Anschaffungskosten des Arbeitnehmers für die Einrichtung und Ausstattung der Zweitwohnung bis zur Höhe von 5.000 € davon auszugehen ist, dass es sich hierbei um notwendige Mehraufwendungen der doppelten Haushaltsführung handelt.

Familienheimfahrten mit einem Firmenwagen und eigenen Zuzahlungen

Nutzt ein Arbeitnehmer im Rahmen der doppelten Haushaltsführung einen Firmenwagen, für den er Zuzahlungen leistet, so ist bezüglich der Familienheimfahrten weder ein geldwerter Vorteil anzusetzen noch ein Werbungskostenabzug möglich.

I. Definition der doppelten Haushaltsführung

[i]

Einen doppelten Haushalt führen Personen, die beruflich außerhalb des Orts, an dem sie wohnen, tätig oder beschäftigt sind und an diesem Ort bzw. in dessen unmittelbarer Nähe eine Zweitwohnung haben. Notwendige Mehraufwendungen aus Anlass einer beruflichen oder betrieblichen doppelten Haushaltsführung können als Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG oder als Betriebsausgaben nach § 4 Abs. 4 EStG i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6a EStG abzugsfähig sein.

Nach den Lohnsteuer-Richtlinien 2008 (LStR 2008) wurde das Reisekostenrecht in Anlehnung an die BFH-Rechtsprechung vereinfacht. Reisekosten liegen nunmehr immer bei einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit vor. Die bis dahin notwendige Unterscheidung zwischen einer Dienstreise und einer Einsatzwechseltätigkeit ist entfallen. Darüber hinaus liegt nun keine doppelte Haushaltsführung vor, solange eine auswärtige Beschäftigung als Auswärtstätigkeit und die damit verbundenen Aufwendungen als Reisekosten anzuerkennen sind.

II. Begünstigter Personenkreis

Steuerpflichtige können Mehraufwendungen für eine berufsbedingte doppelte Haushaltsführung im Inland unabhängig von der Größe des Haushalts bis zu 1.000 € pro steuerlich als Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 5 Nr.6a EStG) oder Werbungskosten (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG) gelten machen. Für eine wöchentliche Heimfahrt zwischen erster Tätigkeitsstätte und eigenem Hausstand kann dann die Entfernungspauschale angesetzt werden. Das Vorliegen eines eigenen Hausstands außerhalb des Orts der ersten Tätigkeitsstätte erfordert neben dem Innehaben einer Wohnung aus eigenem Recht oder als Mieter auch eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung in dieser Wohnung.

III. Personen mit eigenem Hausstand

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Steuerpflichtige außerhalb des Ortes seiner ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Haushalt unterhält und am Ort der ersten Tätigkeitsstätte wohnt (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 2 EStG, R 9.11 Abs. 1 LStR).

1. Eigener Hausstand

Ein eigener Hausstand erfordert

  • eine den Lebensbedürfnissen des Steuerpflichtigen entsprechende Wohnung,

  • die der Steuerpflichtige aus eigenem Recht oder aus einem abgeleiteten Nutzungsrecht heraus nutzen kann und

  • in der ein Haushalt unterhalten wird.

Ein eigener Hausstand liegt hingegen nicht vor bei der Nutzung

  • eines Zimmers in der elterlichen Wohnung, auch wenn sich das Kind an den Kosten beteiligt (in diesen Fällen kann ggf. eine zeitlich begrenzte doppelte Haushaltsführung vorliegen.)

    oder

  • bei einem Aufenthalt in einem Wohnmobil

Der Umstand, dass der Arbeitnehmer für die Kosten des Haushalts am Mittelpunkt des Lebensinteresses aufkommt, ist zwar ein besonders gewichtiges Indiz, aber keine zwingende Voraussetzung für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung mit Bagatellbeträgen ist nicht ausreichend. Betragen die Barleistungen des Steuerpflichtigen mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Lebensführung (z. B. Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel etc.), ist von einer finanziellen Beteiligung oberhalb der Bagatellgrenze auszugehen.

2. Mittelpunkt des Lebensinteresses

Am Ort des eigenen Hausstands muss sich auch der auf Dauer angelegte Mittelpunkt des Lebensinteresses des Steuerpflichtigen befinden ( R 9.11 Abs. 3 Satz 4 LStR).

  • Verheiratete Steuerpflichtige

    Bei verheirateten Steuerpflichtigen ist die Familienwohnung regelmäßig der Lebensmittelpunkt, wenn der Steuerpflichtige diese mindestens sechsmal im Jahr aufsucht (R 9.10 Abs. 1 Satz 5 LStR).

  • Nicht verheiratete Steuerpflichtige

    Bei diesen Steuerpflichtigen ist der Lebensmittelpunkt der Ort, zu dem die engeren persönlichen Beziehungen bestehen. Anhaltspunkte sind hier

    • Eltern,

    • Lebenspartner,

    • Verwandte und Bekannte,

    • Vereinszugehörigkeit.

      Ohne weitere Prüfung ist der Ort als Lebensmittelpunkt anzuerkennen, wenn der Steuerpflichtige diese Wohnung mindestens zweimal monatlich aufsucht (R 9.10 Abs. 1 Satz 8).

  • Eigener Hausstand im Ausland

    Befindet sich der eigene Hausstand im Ausland und in größerer Entfernung zur Zweitwohnung, geht die Finanzverwaltung vom Lebensmittelpunkt aus, wenn der Steuerpflichtige

    • einmal im Kalenderjahr eine Heimfahrt durchführt,

    • bei einer Wohnung in weit entfernt liegenden Ländern mindestes einmal in zwei Jahren eine Heimfahrt durchführt und

    • in dieser Wohnung hauswirtschaftliches Leben herrscht (R 9.11 Abs. 3 LStR).

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