IWB Nr. 20 vom Seite 1

Insellösungen

Nils Henrik Feddersen | Redakteur | iwb-redaktion@nwb.de

Last Orders in [i]Die irische Regierung will Steuerschlupfloch „Double Irish“ schließen – aber nicht sofortDublin! Der irische Finanzminister Michael Noonan hat mit dem Haushaltsentwurf für 2015 angekündigt, die „unfairen“ steuerlichen Vorteile zugunsten großer Konzerne bereits ab Januar beenden zu wollen. Es könnte die größte Steuerreform in Irland seit den 90er Jahren werden. Denn im Kontext der globalen BEPS-Debatte sieht die irische Regierung dauerhafte Schäden für das Ansehen der grünen Insel durch Gestaltungen nach dem berüchtigten „Double Irish“. Allerdings sollen die bereits in Irland ansässigen Firmen, wie Apple und Pfizer, eine Schonfrist bis 2020 erhalten. Das klingt dann nicht mehr ganz so energisch – zumal vor dem Hintergrund von Plänen für eine irische Patentbox nach britischem Vorbild. Allerdings ist das Kapital ein scheues Reh und niemand kann vorhersagen, ob es morgen noch auf Irlands sattgrünen Wiesen äsen wird.

[i]Japans Steuerreform 2014Wie unwirtlich eine Insel der Seligen werden kann, erlebt Japan inzwischen seit mehr als einem Jahrzehnt. Zwar ist Nippon noch immer die viertgrößte Exportnation und ein hochindustrieller Vorzeigestandort. Dort sind Weltkonzerne wie Hitachi, Fujitsu und Panasonic ansässig und diese haben zuletzt auch wieder spürbare Gewinne gemacht. Doch ziehen sich die Bremsspuren von anhaltender Deflation, enormem Wettbewerbsdruck in Kernbranchen und hohen Staatsdefiziten bis in die Gegenwart. Dem trägt die japanische Haushaltspolitik Rechnung. Daher widmet sich Arnold ab Seite 770 den jüngeren steuerlichen Reformen im Land der Morgenröte.

[i]Globale Reformprozesse überlagern nationale Lösungen zunehmendInsellösungen zum Ankurbeln der Wirtschaft und zur Schaffung steuerlicher Fairness werden ohnehin von globalen Entwicklungen überholt. Das zeigt die BEPS-Debatte sehr deutlich. Und hier findet ein zähes Ringen statt, wie der indische Finanzstaatssekretär, Shaktikanta Das, in seiner Rede zur Eröffnung des 68. IfA-Kongresses in Mumbai zugab. Dies gilt namentlich im Bereich der Verrechnungspreise (s. zu der finalen OECD-Guidance die Transfer Pricing News von Mank ab Seite 750).

Stete Justierungen des Steuerrechts bleiben ohnehin auf der Tagesordnung. Zumal unter den düsteren Vorzeichen der jüngsten Finanzmarktindikatoren sollte man sich vielleicht besser anschnallen. Denn dann ist auch Deutschland keine Insel. Kopf in den Sand stecken gilt nicht! Oder mit den Worten der britischen Insulaner: Keep calm and carry on.

Beste Grüße

Nils Henrik Feddersen

Fundstelle(n):
IWB 20 / 2014 Seite 1
NWB NAAAE-76846