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WP Praxis Nr. 10 vom Seite 340

Mythen & Fakten über mentales Training

Mit Methoden aus dem Profi-Sport Bestehensquoten in den Berufsexamina steigern und Mitarbeiter binden

Marion Klimmer

Examenskandidaten die Teilnahme an einem Vorbereitungskurs zu ermöglichen und dies zeitlich und finanziell zu unterstützen, gehört mittlerweile zum Standard in den meisten Gesellschaften. Doch damit hört die Unterstützung in der Regel auf. Führungskräfte erwarten, dass sich die Examenskandidaten selbständig durch die Vorbereitung und die Prüfung steuern. Die Frage nach der mentalen Stärke findet dabei fast keine Beachtung – und dies, obwohl aus dem Profi-Sport bekannt ist, wie sehr Höchstleistungen von der mentalen Verfassung abhängen.

Obwohl die Arbeitgeber ein elementares Interesse am Examenserfolg ihrer Mitarbeiter haben und die Mitarbeiterbindung immer stärker den Unternehmenserfolg beeinflusst, lassen sie weitestgehend diese Chance ungenutzt oder unzureichend verstreichen. In den Gesellschaften und Kanzleien kursieren häufig noch Vorurteile – geradezu „Mythen“ – um das Wesen von Examens-Unterstützungsmaßnahmen, die über das Fachwissen hinausreichen. So bleiben die Durchfallquoten und die damit verbundenen Kündigungsraten unnötig hoch. Diese Mythen soll der vorliegende Beitrag widerlegen.

Klimmer, Bestehensquoten in den StB/WP-Berufsexamen erhöhen – Dreh- und Angelpunkt für Nachwuchssicherung und Mitarbeiterbindung, WP Praxis 5/2022 S. 173, NWB IAAAI-60072

Kernaussagen
  • Der Erfolg im Examen beruht auf mehreren Säulen: Fachwissen, der Transfer von der Theorie in die Praxis, Vorbereitungszeit, Übung, um mit der richtigen Technik/Taktik die relevanten Punkte zu ernten, hilfreiche Lernstrukturen, Klarheit sowie Coaching für mentale Stärke und anderes mehr. In vielen Punkten sind sich die Beteiligten einig. Die mentale Stärke hingegen führt dabei zumeist noch immer ein Schattendasein und wird zu wenig beachtet.

  • Wichtig dabei: Ein mentales Training hat nichts mit einer „Tschakka“-Veranstaltung oder mit Tipps für positives Denken im Stil von Publikumszeitschriften zu tun. Vielmehr geht es um Übungen und Verfahren, die ihre Wirksamkeit im Profi-Sport und in der Wissenschaft belegt haben.

  • Im mentalen Training wird „das erfolgsbegünstigende Denken“ geübt. Die Teilnehmer trainieren, ihre inneren Monologe zu steuern und sich auf lösungsorientierte Gedanken zu fokussieren. Zudem gilt es, eine Übereinstimmung zwischen innerer Motivation und bewussten Zielen herzustellen und positive Emotionen wie Selbstvertrauen und Motivation aufrechtzuerhalten, damit die Neurobiologie das Denken und Lernen begünstigt. Mentale Stärke ist selten angeboren. Sie muss meist individuell erlernt und trainiert werden.

I. Einleitung

Nachwuchskräfte sind gesucht. Dringend. Händeringend (siehe auch aktuelle Lünendonk-Studie). Befragungen unter Branchenkennern legen nahe, dass kleine wie große Kanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften den Fachkräftemangel deutlich spüren und ihre Leistungen mit einer reduzierten Belegschaft managen müssen. Wie gelingt es, junge Kräfte für die Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung zu begeistern und zu binden?

Die Durchfallquoten sind ein Dreh- und Angelpunkt in dieser Frage. Die Bestehensquoten der eigenen Examenskandidaten müssen deshalb ein drängendes Anliegen aller Führungskräfte sein – und dürfen nicht nur an die Personalabteilung „delegiert“ werden.

Für die Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung als Berufsstand steht viel auf dem Spiel: Die Attraktivität einer Karriere in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder einer Steuerberatungskanzlei ist in der Wahrnehmung begabter junger S. 341Kräfte deutlich gesunken – wie in meiner repräsentativen Online-Umfrage vom Februar dieses Jahres deutlich wurde. Wenn sie sich doch für den Eintritt in einen der beiden Berufe entscheiden, ist längst nicht sicher, dass sie das anspruchsvolle Examen antreten oder nach einem verfehlten Erstversuch einen zweiten Anlauf wagen. Nicht selten entscheiden sie sich nach einem Misserfolg zeitnah für eine Kündigung. Für die Kanzleien und Gesellschaften heißt das: Jedes Durchfallen ist nicht nur für die Betroffenen ein persönlicher und emotionaler Tiefschlag. Es bedeutet ein großes Kündigungsrisiko.

Der Erfolg in einem Berufsexamen steht auf mehreren Säulen. Ist eine Säule instabil, droht das ganze Gebäude einzustürzen. Wenn in diesem Artikel davon die Rede ist, Examenskandidaten allumfassend zu unterstützen, geht es darum, alle Chancen zu nutzen, die nachweislich die Erfolgsaussichten in den Berufsexamina steigern.

Der Schaden bahnt sich schon frühzeitig an: Viele Examenskandidaten haben keineswegs das Gefühl, dass ihre Arbeitgeber hinter ihnen stehen und sie allumfassend unterstützen (auch finanziell). Oft erleben sie die Zurückhaltung ihrer Vorgesetzten sogar als menschliches Desinteresse. So lockert sich oft schon in der Vorbereitungsphase zum Examen die Bindung an den Arbeitgeber. Fällt der Kandidat tatsächlich durch die Prüfungen, ist die Kündigung nicht mehr weit. Und schon wieder ist ein Mitarbeiter gegangen. Die verbleibenden Kollegen müssen die Lücke schließen.

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