NWB-BB Nr. 9 vom Seite 253

Mittelstand: Bis Ende 2025 mehr Stilllegungen als Nachfolgelösungen

Dipl.-Kfm. Heiko Lucius | Verantw. Redakteur | nwb-bb-redaktion@nwb.de

Tausende von Unternehmen stehen in den nächsten Jahren vor einem Nachfolgeproblem. Für viele scheint eine Lösung jedoch nicht realisierbar, wie die Ergebnisse des jüngsten KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand deutlich belegen.

Demnach planen rund 266.000 mittelständische Unternehmer, ihre Unternehmen bis zum Ende des Jahres 2025 stillzulegen, anstatt den Weg einer Nachfolge zu beschreiten. Dies entspricht etwa 7 % des Mittelstands. Dabei handelt es sich fast durchweg (97 %) um Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Weitere rund 199.000 Unternehmer wünschen eine Nachfolgelösung, müssen aber aufgrund unzureichender Planung vermutlich mit einem Scheitern rechnen.

Damit ist insgesamt von ca. 465.000 Unternehmen im Mittelstand auszugehen, die teils geplant, teils ungeplant bis Ende des Jahres 2025 ihre Geschäftstätigkeiten einstellen werden. Die Anzahl der Stilllegungen übersteigt damit die Anzahl der wahrscheinlich umgesetzten Nachfolgelösungen von etwa 400.000 im gleichen Zeitraum.

Für Sie als Berater sind beide „Zielgruppen“ grundsätzlich interessant:

  • Bei denjenigen, die ihre Stilllegung fest planen, ist ein Hauptgrund das fehlende Interesse von Familienangehörigen an einer Übernahme. Als Berater können Sie Alternativen aufzeigen, denn es muss nicht immer eine interne Übernahme sein.

  • Noch mehr ist Ihre Expertise bei den Unternehmen gefragt, die wohl ungeplant ihre Geschäftstätigkeiten einstellen werden. Hier können Sie den Nachfolgeprozess von A bis Z begleiten.

Klingt logisch und hat viel mit kaufmännischem Know-how zu tun. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Denn eine Unternehmensübergabe geschieht selten komplett rational und objektiv. Der emotionale Faktor spielt häufig eine große Rolle. Schließlich geben viele Unternehmer ihr Lebenswerk in fremde Hände. Der Verkaufsprozess ist daher für einen Unternehmer emotional eine Berg- und Talfahrt.

Welche Aufgaben auf den Unternehmensverkäufer zukommen und welche Rolle Sie als Berater dabei spielen können, beschreibt Swen P. W. Wietzke in seinem Beitrag „Unternehmensverkauf aus Sicht des Verkäufers und die Rolle des Beraters – ein Erfahrungsbericht“ (ab ). Eine wichtige Erkenntnis dabei ist, dass im KMU-Bereich häufig Verkaufspotenziale seitens des Unternehmers nicht genutzt werden. Stattdessen wird auf „altbewährte“ Vorgehensweisen gesetzt. Das können Sie ändern und einen Teil dazu beitragen, dass die Ergebnisse des nächsten KfW-Nachfolge-Monitorings weniger ernüchternd ausfallen ...

Beste Grüße

Heiko Lucius

Fundstelle(n):
NWB-BB 9/2022 Seite 253
NWB GAAAJ-19983