Suchen Barrierefrei
PiR Nr. 4 vom Seite 97

Finanzberichterstattung in Zeiten der Unsicherheit

WP Dr. Jens Freiberg | Herausgeber | pir-redaktion@nwb.de

Liebe Leserinnen und Leser,

die Finanzberichterstattung des aktuellen Jahrzehnts ist neben den bestehenden Herausforderungen des Klimawandels durch besondere geopolitische und makroökonomische Risiken geprägt. Den Ausgangspunkt bildete Anfang 2020 der Ausbruch der Corona-Pandemie. Kurz vor Ende der meisten Schutzmaßnahmen in Deutschland begann der Ukraine-Krieg. Im Sommer 2025 trafen dann die von den USA eingeführten Zölle die Weltwirtschaft. Den vorläufigen Schlusspunkt dieser Entwicklung markiert der Nahost-Krieg, dessen Ende und Auswirkungen derzeit nicht absehbar sind.

Diese Krisen werfen regelmäßig auch Fragen in der Finanzberichterstattung auf und stehen im Fokus der Regulatoren. Jüngst hat das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) in einem fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen des Nahost-Kriegs zur finanziellen und nichtfinanziellen Berichterstattung zum Stellung genommen und u. a. Fragen zur Wertbegründung des Kriegs, also dem Zeitpunkt, ab dem Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung zu berücksichtigen sind, adressiert. Die weiteren mit der neuen Krise verbundenen Risiken, wie Lieferkettenthematiken oder volatile Preise und damit die Werthaltigkeit der Aktiva und die ausreichende Berücksichtigung der Passiva, sind nicht gänzlich neu. Insoweit verweist auch das IDW auf die analog anwendbaren fachlichen Hinweise des IDW zu den Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs auf die Rechnungslegung und deren Prüfung.

In unserem aktuellen Heft findet sich ab eine ausführliche Fallstudie von Prof. Dr. Hanno Kirsch zu den Auswirkungen der schrittweisen Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf die Bilanzierung latenter Steuern zum . Ebenfalls Berücksichtigung findet in dem Beitrag von Dr. Jan-Velten Große ab der erste Exposure Draft des IASB aus 2026 mit Änderungsvorschlägen für die Anwendung der Fair Value-Option für Beteiligungen, die signifikanten Einfluss vermitteln. Besondere Relevanz gewinnt vor dem Hintergrund der am veröffentlichten Entscheidung des Stablecoin-Giganten Tether (mit einer Marktkapitalisierung von ca. 175 Mrd. USD), erstmalig eine vollumfängliche Abschlussprüfung zu beauftragen, der abschließende Beitrag von Assistant Prof. Dr. Wladislav Gawenko und Sepideh Khalili, M. Sc. ab , zur bilanziellen Behandlung von Cryptocurrencies. Die Abschlussprüfung kann einen wesentlichen Vertrauensschub bringen und die bestehende Unsicherheit, die in Bezug auf die hinterlegten Reserven (bei Tether immerhin Vermögen im Wert von ca. 185 Mrd. USD) besteht, reduzieren.

Weitere Bilanzierungsfragen finden sich wie gewohnt in unseren Rubriken. Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Lektüre.

Herzlichst

Jens Freiberg

Fundstelle(n):
PiR 4/2026 Seite 97
PAAAK-13198