KI in der Wirtschaftsprüfung
Liebe Leserinnen und Leser,
künstliche Intelligenz ist längst in der Wirtschaftsprüfung angekommen, oft unbemerkt im Hintergrund und nicht immer bewusst gesteuert. Gerade darin liegt ihre besondere Herausforderung: Wo neue Werkzeuge Arbeitsprozesse verändern, stellen sich zugleich Fragen nach Verantwortung, Verlässlichkeit und der Einhaltung bewährter Berufsgrundsätze.
Vor diesem Hintergrund hat die Wirtschaftsprüferkammer mehrfach Hinweise zum Einsatz von KI in der Wirtschaftsprüferpraxis veröffentlicht und fortlaufend weiterentwickelt. Sie machen deutlich, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz kein Selbstzweck ist, sondern eine bewusste Entscheidung der Praxisleitung erfordert. Die Berufspflichten gelten technologieunabhängig fort; die Verantwortung verbleibt stets bei der prüfenden Person. Damit werden wichtige Leitplanken für einen sachgerechten und reflektierten Umgang mit KI in der Prüfungspraxis gesetzt.
An diese Einordnung knüpft der zweite Fokusbeitrag dieser Ausgabe ab an: Unter dem Titel „KI-Einsatz in der operativen Prüfungspraxis – Wunsch und Wirklichkeit“ analysieren Kay Odenthal, Ute Seeber und Roger Odenthal die Diskrepanz zwischen den hohen Erwartungen an generative KI-Modelle und den praktischen Erfahrungen im Prüfungsalltag. Der Beitrag zeigt auf, warum vermeintlich beeindruckende Systeme in konkreten Prüfungssituationen an Grenzen stoßen, welche Ursachen hierfür maßgeblich sind und welche Schlussfolgerungen sich daraus für eine verantwortungsvolle Nutzung ziehen lassen. Er liefert damit eine wertvolle Orientierung für die Frage, wo KI heute sinnvoll unterstützen kann – und wo fachliches Urteil und professionelle Skepsis unersetzlich bleiben.
Den Auftakt der Ausgabe bildet erneut die bewährte Beitragsreihe unseres Herausgebers zu ISA [DE] 600 (Revised). Mit dem nun vorliegenden dritten Teil wird die Reihe abgeschlossen. Der Beitrag stellt die Anforderungen und Anwendungshinweise von den Reaktionen auf beurteilte Risiken bis zur Dokumentation dar und behandelt abschließend die deutschen Modifikationen des Standards. Damit liegt eine geschlossene, praxisnahe Orientierung für die Anwendung des Konzernprüfungsstandards vor.
Mit dem Beitrag von zur Verabschiedung des IDW S 17 wird der Blick schließlich auf ein weiteres zentrales Themenfeld gelenkt: die Beurteilung der Angemessenheit börsenkursbasierter Kompensationen. Die Einordnung des neuen Standards zeigt, dass auch jenseits neuer Technologien weiterhin erheblicher fachlicher Diskussionsbedarf besteht. Skepsis gegenüber scheinbar objektiven Bewertungsmaßstäben, klar definierte Prüfkriterien und präzisierte Anforderungen an die Berichterstattung des Wirtschaftsprüfers erweisen sich dabei als tragende Elemente professioneller Berufsausübung.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und viele neue Impulse sowohl für den reflektierten Einsatz neuer Technologien als auch für die sichere Anwendung und Weiterentwicklung bewährter Prüfungs- und Bewertungsstandards.
Viel Freude beim Lesen!
Herzliche Grüße
Natalie Klimsa
Fundstelle(n):
WP Praxis 3/2026 Seite 69
WAAAK-10316