IWB Nr. 17 vom 13.09.2019 Seite 1

20 Jahre später

Nils Henrik Feddersen | Verantw. Redakteur | iwb-redaktion@nwb.de

[i]Kommt mir länger vor: 20 Jahre amazon.deSeit wann gibt es Amazon in Deutschland? Gefühlt schon seit jeher. Doch erst vor 20 Jahren wurde in Bad Hersfeld das erste eigene Warenlager hierzulande eröffnet. Was als Buchhandel im E-Commerce begann, ist heute Teil des weltgrößten Online-Händlers und zweitwertvollsten Unternehmens überhaupt. Über die Geschäftsgrundsätze und Auswirkungen auf einzelne Branchen sind die Meinungen geteilt. Gerrit Heinemann, der sich als Professor an der Hochschule Niederrhein auch mit der Zukunft des Handels befasst, meint, Amazon habe sich zu einem Innovationsmotor entwickelt und setze Standards in der Branche. Amazon habe in den vergangenen 20 Jahren „den deutschen Handel auf den Kopf gestellt.“ US-Finanzminister Steven Mnuchin sagt: „Amazon hat den Einzelhandel in den Vereinigten Staaten zerstört.“

[i]„To be amazoned“: ein stationärer Geschäftszweig wird zerquetscht, weil Amazon ihn sich einverleibtBeide haben Recht. Amazon ist nicht nur markführender Online-Händler – es dominiert. Das Unternehmen hat rund 40 % Marktanteil im deutschen Online-Handel, mehr als jeder zweite Deutsche ist Amazon-Kunde. Das kommt nicht von ungefähr: Amazon stellt den Kunden, seine Ansprüche und Zufriedenheit nicht nur als Lippenbekenntnis in den Mittelpunkt, sondern total. Es ist nicht so, dass Amazon alles gelingt. Wenn der Kunde etwas nicht annimmt, wenn Angebote nicht klappen, lässt es sie rigoros wieder fallen. Den „Hunger“ nach immer neuen Stücken vom „Kuchen“ und die Konsequenz in der Umsetzung durch Amazon kann man nur bestaunen. Zug um Zug hat der Konzern Branche um Branche im Handel angegriffen und gefleddert – „to be amazoned“ hat nichts mit Romantik zu tun. Den Gewerkschaften zufolge ist Amazon für seine 13.000 Festangestellten in Deutschland kein Traumarbeitgeber. Unter dem Strich fallen sicher sehr viel mehr Stellen im Handel weg, als durch Amazon geschaffen werden.

[i]Amazon ist auch steuerlich ein zentraler AufhängerInzwischen können sich angeblich sogar 40 % der Deutschen vorstellen, eine Amazon-Währung zu nutzen. Aber am Geld hängen auch steuerliche Probleme. Der europäische Verwaltungssitz befindet sich nicht zufällig in Luxemburg. Weite Teile der BEPS-Debatte kreisen um die angemessene Besteuerung von Konzernen wie Amazon. Dies spiegelt sich in dieser IWB: Die neue Ruling-Praxis in den Niederlanden basiert auf zentralen BEPS-Forderungen – auf die seit Juli geltende Verordnung für unilaterale APA und ATR gehen van der Ham/Bühl detailliert ein (ab ). Goß gibt Ihnen einen Bericht von einer YIN-Tagung zur geplanten globalen Mindestbesteuerung (ab ). Den Status quo und die Zukunft der Lizenzschranke beleuchtet Loose (ab ).

Es wird interessant sein, wie die aktuellen Reformen – etwa BEPS, GloBE und die ATAD – in 20 Jahren rückblickend beurteilt werden. Heute sind es zweifellos zentrale Themen.

Ich wünsche Ihnen viele hilfreiche Erkenntnisse

Nils Henrik Feddersen

Fundstelle(n):
IWB 17 / 2019 Seite 1
NWB TAAAH-29858

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