IWB Nr. 8 vom 26.04.2019 Seite 1

Industriestrategie 2030? Ei, Ei, Ei!

Nils Henrik Feddersen | Verantw. Redakteur | iwb-redaktion@nwb.de

Der [i]Die Disruption kann berauschend und brutal zugleich seinOsterspaziergang ist nicht nur literarisch wertvoll, das frische Grün in Wald und Flur hebt auch heute noch das Gemüt. Das kann nicht schaden. Vielleicht haben auch Sie in einigen ruhigen Stunden nachgesonnen, wie (rein figurativ gesprochen) der Hase läuft – also langfristig. Wohin führt das irre Tempo der Globalisierung und Digitalisierung? In manchen Bereichen ist die Zukunft so revolutionär wie anschaulich, z. B. die schöne neue Welt der Mobilität: autonome Flugtaxen, Lkw-„Überlandzüge“ und Paketdrohnen sind leicht vorstellbar, denn es gibt schon Prototypen. Wenn der Personen- und der Gütertransport abheben, wird das ein Entwicklungsschritt sein wie die ersten Eisenbahnen im Postkutschenzeitalter. Es war berauschend für die Reisenden – allerdings nicht für Kutscher, Mietställe und Wagnereien. Wie sagte Robespierre so schön: „Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerbrechen.“

Die [i]Die einen stellen sich dem Wettbewerb, die anderen fordern den MehrjahresplanDigitalisierung bringt für ganze Industrien und auch für die Steuerberatung enormen Fortschritt. Das muss individuell keinen Vorteil bedeuten, leider. Unternehmen und Berater stellen sich den Herausforderungen ihrer Märkte und ihrer Konkurrenz. Vor allem stellen sie ihren Kunden und Mandanten ins Zentrum aller Überlegungen. Was ist sein Bedarf? Wo liegen seine Ansprüche und Erwartungen?

Tja, und dann ist da noch die deutsche Wirtschaftspolitik. Dort erhebt gerade der untote Drache der „nationalen Industriepolitik“ sein Haupt. Apropos Drache, nichts gegen besseren Schutz vor einem „Ausverkauf an die Chinesen“ (was auch immer das konkret heißt). Aber die Pläne von nationalen Champions und einseitigen Subventionen für Schlüsselunternehmen in Schlüsseltechnologien sind pure Hybris. Die letzte staatlich gelenkte Industriepolitik gab es hier in der DDR. Diese Zentralverwaltungswirtschaft taugt zum Vorbild für... absolut gar nichts.

Damit [i]Kann man sich bei Kindern etwas abschauen?man am Ende nicht mit leeren Händen dasteht, sollte man vielleicht vorgehen wie Kinder beim Ostereier-Suchen: 1. Überblick gewinnen! 2. Schnelle Entscheidung für eine lohnende Ecke des Gartens. 3. Fokussieren! Gründlich suchen, auch unter den nassen Zweigen des Rhododendrons. 4. Beharrlich bleiben, auch wenn der kleine Bruder schon über seinen Nestfund jubelt. Anders als bei der Ostereiersuche, kann sich ein Unternehmen nicht darauf verlassen, dass die Eltern am Ende schon für eine gerechte Teilung der Schokoladeneier und -hasen sorgen werden. Doch daran wird eine Industriestrategie 2030 bestimmt nichts ändern.

Ich wünsche Ihnen viele hilfreiche Erkenntnisse

Nils Henrik Feddersen

Fundstelle(n):
IWB 8 / 2019 Seite 1
NWB SAAAH-12451

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