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Kontierungslexikon vom

Sollbesteuerung

Karl-Hermann Eckert

Eine Übersichtsseite zu den Stichwörtern des Kontierungslexikons finden Sie hier: NWB LAAAE-91155.

Zusammenfassung

Das Umsatzsteuerrecht geht von dem Grundsatz aus, dass die Besteuerung bereits dann einsetzt, wenn das Entgelt für die ausgeführte Leistung vereinbart wurde. Auf die Bezahlung kommt es zunächst nicht an. Bei Abweichungen zwischen dem vereinbarten Entgelt und dem tatsächlich entrichteten Entgelt greift die Korrekturvorschrift des § 17 UStG zur Änderung der Bemessungsgrundlage.

Der Beitrag beschreibt die Besonderheiten der Sollbesteuerung und gibt Hinweise zur zutreffenden Buchung.

1. Welche Konten werden im SKR 03 oder 04 benötigt?

1.1 SKR 03


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1200
Bank
1400
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
1718
Erhaltene, versteuerte Anzahlungen 19 % USt (Verbindlichkeiten)
1776
Umsatzsteuer 19 %
8400
Erlöse 19 % USt

1.2 SKR 04


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1200
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
1800
Bank
3272
Erhaltene, versteuerte Anzahlungen 19 % USt (Verbindlichkeiten)
3806
Umsatzsteuer 19 %
4400
Erlöse 19 % USt

2. Rechtsgrundlagen


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3. Wie wird kontiert?

3.1 Allgemeine Grundsätze

Die Besteuerung nach vereinbarten Entgelten gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 UStG (sog. Sollbesteuerung) ist im Umsatzsteuerrecht der Regelfall (§ 16 Abs. 1 UStG). Die Umsatzsteuer entsteht grundsätzlich mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Lieferung oder sonstige Leistung ausgeführt worden ist. Dies gilt auch für unentgeltliche Leistungen im Sinne des § 3 Abs. 1b UStG und § 3 Abs. 9a UStG. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Leistung, um bestimmen zu können, welcher Voranmeldungszeitraum gilt.

Unerheblich ist,

  • ob und ggf. wann die Rechnung ausgestellt wurde,

  • ob und ggf. wann ein Kaufvertrag abgeschlossen wurde,

  • ob zivilrechtlich ein anderer Leistungszeitpunkt vereinbart wurde,

  • wann die Zahlung geleistet wurde oder

  • ob beim Leistungsempfänger der Vorsteuerabzug möglich ist.

Entsprechendes gilt für Teilleistungen nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 2 UStG: Sie liegen vor, wenn für bestimmte Teile einer wirtschaftlich teilbaren Leistung das Entgelt gesondert vereinbart wird.

Vereinnahmt der Unternehmer vor Ausführung der Leistung Anzahlungen oder Vorauszahlungen, gilt eine Besonderheit: Die Umsatzsteuer entsteht bereits mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Anzahlung oder Vorauszahlung vereinnahmt wurde (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG).

Hinweis:

Die Regelung in § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG enthält also einen selbständigen und abschließenden Tatbestand zur Steuerentstehung.

Den Gegensatz zur Sollbesteuerung bildet die Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten, die sog. Istbesteuerung gemäß § 20 UStG. Diese Ausnahmebesteuerung kann unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag des Unternehmers vorgenommen werden.

3.2 Grundsätze zur Entstehung der Umsatzsteuer

Für die der Umsatzsteuer unterliegenden Tatbestände gelten folgende Entstehungsgrundsätze:

3.2.1 Lieferung einschließlich der Werklieferungen

Lieferungen einschließlich Werklieferungen sind grundsätzlich dann ausgeführt, wenn der Lieferungsempfänger die Verfügungsmacht über den zu liefernden Gegenstand erlangt.

Wird ein Gegenstand befördert oder versendet, ist nicht der Zeitpunkt des Empfangs der Ware maßgeblich, sondern die Lieferung gilt bereits mit Beginn der Beförderung oder Versendung des Gegenstandes als ausgeführt (vgl. § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG).

Hinweis:

Bei einem Kauf auf Probe (§ 454 BGB) im Versandhandel kommt der Kaufvertrag noch nicht mit der Zusendung der Ware zustande, sondern erst nach Ablauf der vom Verkäufer eingeräumten Billigungsfrist oder durch Überweisung des Kaufpreises. Dieser Zeitpunkt ist dann für die Ausführung der Lieferung maßgeblich.

Bei einem Kauf mit Rückgaberecht kommt der Kaufvertrag bereits mit der Zusendung der Ware zustande. Die Lieferung gilt dann mit Beginn der Beförderung oder Versendung der Ware als ausgeführt.

3.2.2 Sonstige Leistungen – einschließlich Werkleistungen

Sonstige Leistungen einschließlich Werkleistungen sind grundsätzlich im Zeitpunkt ihrer Vollendung ausgeführt. Bei zeitlich begrenzten Dauerleistungen wie z. B. Vermietung oder Leasing ist die Leistung mit Beendigung des entsprechenden Rechtsverhältnisses ausgeführt. Ausnahme: Es liegen Teilleistungen vor.

3.2.3 Unentgeltliche Leistungen

Bei unentgeltlichen Leistungen gelten die vorgenannten Grundsätze entsprechend. Erstrecken sich derartige Leistungen über mehrere Voranmeldungszeiträume, z. B. bei einer privaten Pkw-Überlassung, ist jeder einzelne Voranmeldungszeitraum als selbständiger Besteuerungsabschnitt zu beurteilen.

Mangels Entgeltsvereinnahmung spielt es keine Rolle, ob der Unternehmer der Sollbesteuerung oder der Istbesteuerung unterliegt.

3.2.4 Dokumentationspflichten
3.2.4.1 Dokumentation in der Umsatzsteuer-Voranmeldung und der Umsatzsteuer-Jahreserklärung

Ab dem Besteuerungszeitraum 2019 ist der Unternehmer verpflichtet, in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung mitzuteilen, ob die Steuer nach vereinbarten Entgelten, nach vereinnahmten Entgelten oder in den Fällen nach § 20 Abs. 1 Satz 2 UStG nach vereinbarten und vereinnahmten Entgelten berechnet wurde. Diese Verpflichtung bestand im Umsatzsteuer-Voranmeldungsverfahren nur für 2019. Für die Sollbesteuerung nach § 13 UStG ist die Kennzahl „1“ vorgesehen.

Abb. 1: Angaben in der Umsatzsteuer-Voranmeldung

Abb. 2: Angaben in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung

3.2.4.2 Dokumentation im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Unternehmensgründer haben mit der Neugründung bei der Finanzbehörde einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abzugeben bzw. elektronisch zu übermitteln. Hierin hat der Unternehmer zu dokumentieren, ob er die Umsatzsteuer nach vereinbarten Entgelten berechnet.

Abb. 3: Auszug aus dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung eines Einzelunternehmers

3.2.5 Korrekturvorschrift des § 17 UStG

Sofern das vereinbarte Entgelt nicht zeitgerecht, nicht vollständig oder gar nicht entrichtet wurde, greift die Korrekturvorschrift des § 17 UStG.

Hinweis:

Zu den Anwendungsgrundsätzen des § 17 UStG wird auf die Stichwörter „Bemessungsgrundlage, Änderung“ , Lexikon NWB QAAAG-37761 und „Uneinbringlichkeit von Forderungen“, Lexikon NWB KAAAF-05965 hingewiesen.

3.2.6 Wechsel der Besteuerungsart

Beim Wechsel der Besteuerungsart ist zu beachten, dass Umsätze nicht doppelt erfasst werden oder unversteuert bleiben. Weitere Hinweise enthält das Stichwort „Istbesteuerung“, Lexikon NWB NAAAF-69793.

3.3 Praxisbeispiel 1: Versandhandel und Kauf auf Rechnung

Der Versandhändler V betreibt einen Internethandel mit Porzellan. Der Kunde K bestellt am eine Porzellanfigur für 100 € zzgl. 19 % Umsatzsteuer, die Bezahlung erfolgt auf Rechnung. V übergibt die Ware am dem Paketdienst P zur Versendung an K. Die Rechnung datiert vom , die V am begleicht. Es besteht ein 14-tägiges Rückgabe- bzw. Widerrufsrecht. V unterliegt der Sollbesteuerung nach § 13 UStG und gibt die Umsatzsteuer-Voranmeldungen monatlich ab.

Der Verkauf der Porzellanfigur ist eine Lieferung nach § 3 Abs. 1 UStG. Diese wird nach § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG mit der Übergabe der Ware an den Paketdienst am ausgeführt. Die Umsatzsteuer entsteht somit nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 1 UStG mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums März 2020. Der Zeitpunkt der Ausstellung der Rechnung und die Bezahlung der Ware sind ohne Bedeutung; ebenso wenig hat das eingeräumte 14-tägige Rückgabe- bzw. Widerrufsrecht einen Einfluss auf den Entstehungszeitpunkt der Umsatzsteuer.

1. Buchung der Lieferung im März 2020:

nach SKR 03:

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