Dokument Sonderabschreibungen – Systematik (EStG)

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infoCenter (Stand: Mai 2021)

Sonderabschreibungen – Systematik (EStG)

Stefan Kolbe

1. Begriff

Die planmäßigen Abschreibungen (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB; § 7 Abs. 1-2 bzw. 4 EStG) sollen den Wertverlust aus der Abnutzung beim jeweiligen Wirtschaftsgut widerspiegeln. Sonderabschreibungen sind dagegen ein steuerpolitisches Gestaltungsinstrument, mit dessen Hilfe Lenkungs- und Subventionszwecke verfolgt werden. Damit wird es dem Steuerpflichtigen ermöglicht – über die planmäßigen Abschreibungen hinaus – über einen bestimmten Förderzeitraum Aufwendungen gewinnmindernd geltend zu machen, so dass sich ein Steuerstundungseffekt ergibt. Das grundsätzliche Zusammenspiel von Normal-AfA und Sonderabschreibungen wird in § 7a EStG geregelt. Allerdings können sich aus den einzelgesetzlichen Regelungen über die Sonderabschreibungen Abweichungen ergeben.

Das EStG sieht zwei Sonderabschreibungen vor: Zum einen können nach § 7g Abs. 5 EStG bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens im Jahr der Anschaffung/Herstellung und in den folgenden vier Jahren Sonderabschreibungen bis zu insgesamt 20 % der AK/HK in Anspruch genommen werden. Dabei müssen die Voraussetzungen des § 7g Abs. 6 EStG vorliegen.

Zum anderen können nach § 7b Abs. 1 Satz 1 EStG unter den besonderen Voraussetzungen des § 7b Abs. 2 EStG (Schaffung neuer Mietwohnungen bei Einhaltung einer Baukostenobergrenze und Überlassung zur dauerhaften Miete für den Mindestmietzeitraum i. S. des § 7b Abs. 2 Nr. 3 EStG) im Jahr der Herstellung oder im Jahr der Anschaffung i. S. von § 7b Abs. 1 Satz 2 EStG und in den drei folgenden Jahren Sonderabschreibungen von bis zu 5 % pro Jahr geltend gemacht werden. Die Bemessungsgrundlage ist der Höhe nach begrenzt auf maximal 2.000 € pro Quadratmeter Wohnfläche; es darf zudem die Höchstgrenze des § 7b Abs. 5 EStG (De-minimis-Beihilfe) nicht überschritten werden. Die Vorschrift gilt nur für Baumaßnahmen, für die der Bauantrag oder die Bauanzeige zwischen dem und dem gestellt wurde.

2. Durchführung von Sonderabschreibungen

2.1. Regelfall: Vornahme von Sonderabschreibungen nach Anschaffung/Herstellung

2.1.1. Sonderabschreibungen neben der Normal-AfA

Sonderabschreibungen sind neben der normalen AfA nach § 7 Abs. 1 oder Abs. 4 EStG vorzunehmen. Das bedeutet zum einen, dass die Sonderabschreibungen zusätzlich zur Normal-AfA anzusetzen sind. Sie sind nicht zeitanteilig zu berücksichtigen; es handelt sich um einen Jahresbetrag.

Hinweis:

Unterlässt der Steuerpflichtige es, die Normal-AfA anzusetzen, kann er die Normal-AfA nicht nachholen.

Zum anderen ist die Inanspruchnahme der degressiven AfA nach § 7 Abs. 2 oder Abs. 5 EStG ausgeschlossen, wenn Sonderabschreibungen in Anspruch genommen werden. Dabei ist außerdem zu berücksichtigen, dass § 7 Abs. 2 EStG nur für Wirtschaftsgüter gilt, die in der Zeit vom 1.1. bis angeschafft oder hergestellt wurden (§ 7 Abs. 2 Satz 1 EStG).

Hinweis:

§ 7g Abs. 5 EStG lässt es aber abweichend von § 7a Abs. 4 EStG ausdrücklich zu, dass der Steuerpflichtige auch die degressive AfA neben der Sonderabschreibung in Anspruch nimmt.

Die Vorschrift des § 7a Abs. 4 EStG setzt die tatsächliche Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen voraus. Sie greift deshalb auch dann, wenn Sonderabschreibungen auf Anschaffungskosten oder Teilherstellungskosten geltend gemacht wurden. Dagegen ist § 7a Abs. 4 EStG nicht anwendbar, wenn die Sonderabschreibungen nicht geltend gemacht werden.

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