Wirtschaftskrise | Weltweite Reform der Finanzarchitektur beschlossen
Am 1. und 2. April einigten sich die 20 größten Industrie- und Schwellenländer auf eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen die weltweite Wirtschaftskrise. Im Zentrum der in London getroffenen Beschlüsse stehen Maßnahmen, die das Vertrauen auf den internationalen Finanzmärkten wiederherstellen sollen.
Am 1. und
2. April einigten sich die 20 größten Industrie- und Schwellenländer auf eine
gemeinsame Strategie im Kampf gegen die weltweite Wirtschaftskrise. Im Zentrum
der in London getroffenen Beschlüsse stehen Maßnahmen, die das Vertrauen auf
den internationalen Finanzmärkten wiederherstellen sollen.In
diesem Zusammenhang betonten alle Beteiligten, wie wichtig es sei, aus den
Fehlern zu lernen, die die aktuelle Finanzkrise entstehen ließen: Die Schaffung
einer neuen Finanzmarktarchitektur habe daher absolute Priorität. Eine bessere
Regulierung und Überwachung aller Finanzmärkte, -produkte und -akteure sei
zwingend erforderlich, um die Wiederholung einer solchen Krise zu verhindern.
Dazu gehört auch die strenge Ahndung von Steuerflüchtlingen und Staaten, die
Steuerhinterziehung begünstigen. Damit folgten die anwesenden Regierungschefs
der Stoßrichtung der Bundesregierung: Sie hat sich wiederholt dafür stark
gemacht hat, hier einen Schwerpunkt des internationalen Vorgehens zu
setzen. Die wichtigsten Beschlüsse im
Überblick
Maßnahmen zur Ausgestaltung der
neuen globalen Finanzmarktarchitektur:
Regulierung und Aufsicht aller systemrelevanten Finanzinstitute, -instrumente und -märkte inklusive Hedge Fonds; Gerade Hedge Fonds bedienen sich hochspekulativer Methoden, um hohe Gewinne zu erzielen. Hierbei setzen sie oftmals viel Fremd- und wenig Eigenkapital ein. Dies bringt große Risiken für das Finanzsystem mit sich.
Bekämpfung von Steuerhinterziehung: Die Zeit des grenzenlosen Bankgeheimnisses ist vorbei. Die G20 einigten sich auf einhärteres Vorgehen gegen so genannte Steueroasen oder Gebiete, von denen aus Geldwäsche ermöglicht wird oder Gefahren für die Finanzmarktstabilität ausgehen; Veröffentlichung einer schwarzen Liste
mehr Transparenz: Überarbeitung der Bilanzierungsregeln, um mehr Transparenz und größere Krisensicherheit zu gewährleisten. Ratingagenturen müssen künftig nach transparenten Standards arbeiten und sind zur Registrierung verpflichtet.
Manager-Vergütungssysteme: Sonderzahlungen sollen sich künftig stärker am langfristigen Erfolg einer Bank und einem besonnen Risikomanagement ausrichten. Die Aufsichtsbehörden sollen die Umsetzung der entsprechenden Kriterien überwachen. Aufsichtsräte sollen mehr Verantwortung für die Vergütungs- und Bonussysteme übernehmen und Aktionäre besser informiert werden.
Erweiterung des Financial Stability Forums zum so genannten Financial Stability Board unter Aufnahme bisher noch nicht vertretener G20-Mitgliedsstaaten sowie Spaniens und der EU-Kommission.
stärkere Zusammenarbeit von IWF und Financial Stability Board besonders im Bereich der Krisenprävention. Schaffung eines Frühwarnmechanismus von IWF und Financial Stability Board zur rechtzeitigen Erkennung von Risiken für das Finanzsystem; ein erstes „early warning exercise“ soll bereits im Frühjahr erfolgen.
Weitere Maßnahmen
Aufstockung der Ressourcen des IWF: Die Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderer internationaler Finanzorganisationen werden erhöht. Das Geld soll vor allem armen Ländern zukommen, die besonders unter der Finanz- und Wirtschaftskrise leiden. Die IWF-Mittel werden insgesamt auf 750 Milliarden Doller verdreifacht.
Weitere nationale Konjunkturpakete
aufzulegen, ist nicht geplant. Auch die Bundesregierung lehnt ein zusätzliches
Konjunkturpaket ab, da bereits Maßnahmen in erheblichem Umfang vorgenommen
wurden. Diese müssen nun erst einmal wirken. Laut IWF sei es nicht
ausgeschlossen, dass das weltweite Wachstum mit diesen Maßnahmen im Jahr 2010
wieder auf rund 2 Prozent ansteigen könne.
Auch die Frage der
nachhaltigen Staatsfinanzen dürfe nicht aus den Augen verloren werden, betonten
die Regierungschefs der anwesenden Länder. Die G20 wollen schnellstmöglich
wieder auf einen Pfad nachhaltiger Haushaltspolitik zurückzukehren. Deutschland
gibt mit der jüngst beschlossenen
Schuldenbremse auch hier die richtige
Richtung vor.
Mitteilung des
Fundstelle(n):
HAAAF-48164