BGH Beschluss v. - IX ZA 14/10

Insolvenzanfechtung: Gläubigerbenachteiligung bei mehreren, gleichzeitig vorgenommen Rechtshandlungen des Schuldners

Gesetze: § 129 InsO

Instanzenzug: OLG Frankfurt Az: 24 U 229/08 Urteilvorgehend LG Darmstadt Az: 13 O 58/08

Gründe

1Die beabsichtigte Rechtsverfolgung bietet keine hinreichende Aussicht auf Erfolg (§ 114 Satz 1 ZPO). Ein Grund für die Zulassung der Revision (§ 543 Abs. 2 ZPO) wird vom Beklagten nicht dargelegt und ist auch sonst nicht ersichtlich.

2Das Berufungsgericht weicht mit seiner Annahme, der Kaufvertrag vom und die Übereignung der mit diesem Vertrag veräußerten Gegenstände benachteilige die Insolvenzgläubiger der vom Kläger vertretenen Schuldnerin, weil der Kaufpreis mit der wertlosen Forderung der vom Beklagten vertretenen Schuldnerin auf Rückzahlung eines eigenkapitalersetzenden Darlehens verrechnet wurde, nicht von der Rechtsprechung des Senats ab, wonach mehrere Rechtshandlungen des Schuldners anfechtungsrechtlich selbstständig zu betrachten sind, auch wenn sie gleichzeitig vorgenommen worden sind oder sich wirtschaftlich ergänzen (etwa , NZI 2006, 583 Rn. 14; v. - IX ZR 138/06, NZI 2009, 45 Rn. 25). Der Grundsatz, dass bei mehreren Rechtshandlungen jede einzelne von ihnen auf das Vorliegen der Anfechtungsvoraussetzungen hin zu prüfen ist, bedeutet nicht, dass bei der Prüfung, ob eine bestimmte Rechtshandlung die Gläubiger benachteiligt hat, nur die unmittelbare rechtliche Folge der Handlung berücksichtigt werden dürfte. Zur Beurteilung der Frage, ob eine Rechtshandlung zu einer Gläubigerbenachteiligung geführt hat, ist die durch die Handlung bewirkte Vermögensverschiebung in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zu erfassen. Durch den Abschluss eines Vertrages werden die Gläubiger unmittelbar benachteiligt, wenn der gesamte rechtsgeschäftliche Vorgang die Zugriffsmöglichkeiten der Gläubiger verschlechtert (, BGHZ 128, 184, 187; v. - IX ZR 58/09, ZIP 2010, 1702 Rn. 9; HK-InsO/Kreft, 5. Aufl. § 129 Rn. 43; MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl. § 133 Rn. 44). Mit diesen Grundsätzen stimmt das Berufungsurteil überein.

3Die vom Beklagten gerügten Grundrechtsverletzungen (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, Art. 103 Abs. 1 GG; Verletzung des Anspruchs auf ein objektiv willkürfreies Verfahren, Art. 3 Abs. 1 GG) hat der Senat geprüft und für nicht durchgreifend erachtet. Die Beanstandungen des Beklagten betreffen vornehmlich die vom Tatrichter zu vertretende Würdigung des Vortrags der Parteien und der vorgelegten Urkunden. Diese Würdigung mag angreifbar sein. Eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert sie nicht.

Kayser                                Raebel                                    Gehrlein

                     Grupp                                 Möhring

Fundstelle(n):
WM 2011 S. 276 Nr. 6
IAAAD-60531