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Die CSRD zwischen Transparenzpflicht und strategischer Gestaltung
Bilanzpolitische Potenziale der ESRS-Berichterstattung
Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Unternehmensberichterstattung entwickelt sich seit einigen Jahren zunehmend zu einem zentralen Element der Unternehmenskommunikation. Getrieben wird diese Dynamik durch das wachsende gesellschaftliche Bewusstsein für die ökologische und soziale Verantwortung von Unternehmen, welches sich in den Erwartungen der Stakeholder widerspiegelt. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) stellt einen wesentlichen Treiber dieser Entwicklung dar, indem sie einen im Vergleich zu den bisherigen Berichtspflichten erheblich detaillierteren Nachhaltigkeitsbericht für einen umfassenden Anwenderkreis fordert. Dieser Bericht ist entsprechend der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) aufzustellen, die das Ziel einer transparenten und vergleichbaren Berichterstattung verfolgen. Entgegen ihrer Wahrnehmung als starres Regelwerk eröffnen die ESRS den Unternehmen jedoch durch explizite Wahlrechte und wesentliche inhärente Ermessensspielräume neue Möglichkeiten einer bilanzpolitisch ausgerichteten Nachhaltigkeitskommunikation, um die Wahrnehmung ihrer Nachhaltigkeitsleistung durch die Berichtsadressaten gezielt zu steuern.
Kirsch, ESRS – European Sustainability Reporting Standards, InfoCenter, NWB MAAAJ-49987
Welche strategischen Ziele verfolgen Unternehmen mit der Bilanzpolitik im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung?
Welche konkreten bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume eröffnen die ESRS und wie können diese strategisch sinnvoll genutzt werden?
Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer bilanzpolitischer Gestaltung und unzulässigem Greenwashing?
I. Grundlagen und Ziele der Bilanzpolitik im Nachhaltigkeitsbericht
[i]Müller/Reinke/Warnke, Rechnungslegungspolitik nach ESRS?, PiR 6/2024 S. 159, NWB JAAAJ-68284 Allgemein bezeichnet Bilanzpolitik die bewusste und vorschriftskonforme Gestaltung der Berichterstattung zur gezielten Beeinflussung des Verhaltens von Stakeholdern im Sinne der Unternehmensziele. Sie beschränkt sich entgegen ihrer Bezeichnung nicht nur auf die Bilanz, sondern kann sich auf alle Bereiche der Unternehmensberichterstattung erstrecken. Auch eine strategische Ausrichtung des Nachhaltigkeitsberichts kann demnach als Bilanzpolitik bezeichnet werden.