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Den Fischen das Wasser entziehen
Steuerberater Elio Collovà führt Unternehmen fort, die der italienische Staat aus den Händen der Mafia zu reißen versucht. Er will eine Kultur der Legalität schaffen — eine Sisyphos–Aufgabe.
Er hat es ja so gewollt. Er hat damals Abwechslung gesucht, Herausforderungen, und er hat sie bekommen: Fleischgroßhandelsfirmen, Bauunternehmen, Kaffee–Importeure, Gasabfüller; er hat sie alle gemanagt, saniert, in die Legalität überführt, meistens mehrere gleichzeitig; nie wieder Routine und Alltagstrott also, und außerdem, welcher Manager kann schon von sich behaupten, dass er seinen ersten Arbeitstag fast immer in Begleitung eines Polizeitrupps antritt?
Nun also auch noch das Las Vegas. Eine gigantische Bingo–Halle an einer Ausfallstraße von Palermo. Eine der größten Zockerhöhlen Europas.
„Bingo”, sagt er, „ist tatsächlich etwas, das bislang im Rahmen meines kulturellen Horizonts nicht vorkam.”
Elio Collovà, 62, silberner Scheitel und freundlicher, stets verbindlicher Blick, sitzt im Chefsessel des Las Vegas, vor sich die Tagespost, in der einen Ecke des Raumes ein offener Tresor, in der anderen ein Buchhalter, der unter ohrenbetäubendem Rasseln tütenweise Geldstücke in eine Zählmaschine schüttet. Von den drei Eigentümern keine Spur — die haben Hausverbot.
Elio Collovà hat einen der aufregendsten Wirtschaftsjobs, den man in Italien haben kann...