Liquidität optimieren durch Reduzierung des Cashflow-Zyklus
Geeignete Kennzahlen, Maßnahmen und Tools
Für KMU stellt die jederzeitige Aufrechterhaltung der Liquidität eine permanente Herausforderung dar. Die zeitliche Verschiebung zwischen Aus- und Einzahlungen muss in den meisten Fällen vorfinanziert werden, wofür mehrheitlich kurzfristige Kontokorrentlinien bei Kreditinstituten genutzt werden. Je länger diese Linie ausgenutzt wird, desto höher sind die zu bezahlenden Zinsen. Daher ist es für Ihre Mandanten interessant, diese – auch als Cashflow-Zyklus bezeichnete – Zeitspanne durch entsprechende Maßnahmen zu reduzieren. Mit dieser Reduktion können die Liquidität optimiert und die Finanzierungskosten reduziert werden. Unterstützend hierzu können Sie in der Datenbank die Tools „Kapitalbindungsrechner für KMU“ NWB UAAAE-01160 und „Working Capital-Rechner“ NWB GAAAF-48199 abrufen.
Kapitalbindungsrechner für KMU NWB UAAAE-01160, Working Capital-Rechner NWB GAAAF-48199
I. Was ist der Cashflow-Zyklus?
Bei der Analyse des Cashflow-Zyklus bewegt man sich in einem Untergebiet des Working Capital-Managements. Analysiert wird speziell die Zeitspanne zwischen Bezahlung von gelieferten Rohstoffen/Waren bis hin zur Begleichung von verkauften Waren durch den Kunden. Je nachdem, wie lange diese Zeitspanne dauert, ergibt sich für Unternehmer ein unterschiedlicher Vorfinanzierungsbedarf.
Allgemein gilt: Je länger kurzfristige Finanzierungsformen (z. B. Kontokorrentkredit) in Anspruch genommen werden müssen, desto höher sind die Finanzierungskosten. Unternehmen, die einen hohen Vorratsbestand mit einem sich langsam drehenden Lager besitzen und i. d. R. die Lieferanten schneller bezahlen, als sie das Geld von ihren Kunden erhalten, sind von dieser Grundproblematik besonders stark betroffen.
Ein Unternehmen muss für die Produktion bzw. Leistungserstellung bestimmte Güter einsetzen. Diese werden in den meisten Fällen nicht auftragsbezogen besorgt, sondern auf Lager gekauft. Damit kann das Unternehmen flexibel und schnell auf Bestellungen von Kunden reagieren. Das damit zusammenhängende Problem: Die im Lager stehenden Güter müssen vorab bezahlt werden. Hierfür ist Liquidität erforderlich, welche mehrheitlich über die Ausnutzung von kurzfristigen Kreditlinien stammt. Zudem geht auch nach Verkauf der Güter aus dem Lager das Geld nicht sofort ein, da die Kunden i. d. R. eine Zahlungsfrist haben. Diese wird häufig gänzlich ausgereizt, so dass sich die Zeitdauer der Vorfinanzierung deutlich erweitert und den Unternehmer weitere Finanzierungsaufwendungen kostet. Durch gezielte Steuerung des Cashflow-Zyklus kann dieses Grundproblem bis zu einem bestimmten Grad reduziert werden.
Übersicht 1 stellt den Cashflow-Zyklus in seinen Grundzügen dar (in Anlehnung an Skiera/Pfaff, Der Controlling-Berater 6/2003 S. 58):

Der Cashflow-Zyklus zeigt an, wie lange es dauert, bis ein investierter Euro seit Bezahlung an die eigenen Lieferanten wieder durch die schlussendliche Begleichung der Ausgangsrechnung durch den Kunden im Unternehmen zurückgeführt werden kann. Diese Zeitspanne kann anhand einer relativ einfachen Formel ermittelt werden:
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Cashflow-Zyklus | = | Days in Inventory (DII) + Days Sales Outstanding (DSO) - Days in
Payables (DIP) |
Diese Berechnung ist erforderlich, da – wie aus Übersicht 1 erkennbar – die Umschlagsdauer der Kreditoren von jener des Lagers abweicht. Die Differenz zwischen diesen beiden KennwertenS. 137 hängt sowohl von der Branche ab als auch davon, wie schnell sich das Lager im Gegensatz zu den Kreditorenzahlungen dreht.
Der Cashflow-Zyklus würde genau der durchschnittlichen Außenstandsdauer entsprechen, wenn die Umschlagsdauer der Kreditoren gleich der Umschlagdauer des Lagers ist. Dies ist in der Praxis jedoch eher unwahrscheinlich und zeigt einen wichtigen Aspekt des Working Capital-Managements: Es ist erforderlich, die gesamte Verkettung der einzelnen Kennzahlen zu analysieren und zu steuern und eben nicht nur ein gutes Debitorenmanagement zu haben. Die Teilbereiche des Lager- als auch des Kreditorenmanagements können ebenfalls zur Verbesserung der Liquiditätssituation beitragen.
II. Maßnahmen zur Optimierung des Cashflow-Zyklus
Übersicht 2 stellt eine Auswahl von praxiserprobten Maßnahmen zur Verkürzung des Cashflow-Zyklus dar. Aufgeführt sind auch passende Arbeitshilfen und weiterführende Fachbeiträge aus der NWB Datenbank sowie eine Kurzbeschreibung, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden können und welchen Effekt sie im Bereich des Cashflow-Zyklus haben.
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Übersicht 2: Maßnahmen zur Optimierung des Cashflow-Zyklus,
Kurzbeschreibung und Wirkungsbereich im Cashflow-Zyklus | ||
Maßnahme |
Kurzbeschreibung |
Wirkungsbereich |
Nutzung von Factoring | Die Forderung wird an eine Factoring-Gesellschaft
verkauft, welche vor Eingang der effektiven Kundenzahlung einen bestimmten
Betrag davon (80 - 90 %) vorstreckt. Damit fließt die Liquidität schneller
zu, jedoch müssen Zinsen und Gebühren an die Factoring-Gesellschaft bezahlt
werden, so dass vor Umsetzung ein Kostenvergleich zur „normalen“
Kontokorrentfinanzierung vorgenommen werden
sollte. NWB Datenbank ▶ Factoring, Checkliste NWB JAAAE-87279 | DSO |
Beschleunigung des Rechnungserstellungsprozesses | Nach Abschluss von Aufträgen sollten Rechnungen sofort
geschrieben und an den Kunden weitergeleitet werden – und nicht erst
einige Tage später. Damit kann sichergestellt werden, dass Kunden die
Rechnungen früher erhalten, so dass auch die Zahlungsfrist früher zu laufen
beginnt. | DSO |
Reduktion von Reklamationen durch Prozess- und
Qualitätsmanagement | Die Informations- und Kommunikationswege im
Unternehmen sollten klare Verfahren haben, damit keine falschen Rechnungen
(z. B. Fehler in Mengen oder Beträgen) an Kunden gesendet werden. In
diesem Zusammenhang ist es empfehlenswert, die Rechnung vor Versendung an den
Kunden noch einmal zu kontrollieren. Die Zahlungsfrist beginnt erst wieder,
wenn die neue Rechnung beim Kunden eingelangt ist. | DSO |
Nutzung von Lastschriften und Abbuchern | Bei bonitätsmäßig guten Kunden kann man
Lastschriften/Abbucher nutzen, um als Zahlungsempfänger den Eingangszeitpunkt
der Zahlungen auf dem eigenen Bankkonto steuern zu können. Hierfür können
Datenträger aus der Buchhaltungssoftware in das Electronic Banking/Online
Banking System eingelesen und über die Hausbank versendet
werden. NWB Datenbank ▶ Situm, Kosten senken durch elektronische Zahlungssysteme und Exporterlössammelkonten, NWB-BB 3/2015 S. 84 NWB HAAAE-84747 | DSO |
Beschleunigung des Mahnlaufs | Mahnungen sollten sofort nach Verstreichen von
Zahlungseingangsfristen versendet werden und nicht z. B. einmal in der
Woche. Bis zum Erhalt der Mahnung beim Kunden geht ansonsten wertvolle Zeit
verloren. NWB Datenbank ▶ Müller, Forderungen eintreiben mit der richtigen Mahnstrategie, NWB-BB 4/2017 S. 105 NWB OAAAG-40970 | DSO |
Vermeidung von Scheckzahlungen durch Kunden | Kunden, die mit Scheck bezahlen, sollte man auf
Überweisung umstellen, da im Zuge der Scheckeinreichung bis zur effektiven
Gutschrift auf dem eigenen Bankkonto mehrere Tage verstreichen (z. B.
Weiterleitung an die eigene Hausbank, Zeitspanne bis zu effektiven Gutschrift
auf dem Bankkonto). | DSO |
Elektronische Rechnungslegung | Durch die erhöhte Verbreitung des Internets können
Rechnungen an Kunden auf elektronischem Wege versendet werden, so dass der
Postweg bis zum Eingang beim Unternehmen eingespart werden
kann. NWB Datenbank ▶ Fischl/Hartl/Beil/Kischporski, Kostensenkung und Effizienzgewinn durch Umstellung auf E-Rechnungen, NWB-BB 10/2016 S. 306 NWB TAAAF-82462 | DSO |
Einforderung von Anzahlungen | Bei bonitätsmäßig schwachen Kunden, bei Neukunden als
auch im Außenhandel sollte man (wenn umsetzbar) mit Anzahlungen arbeiten. Bei
bestimmten Branchen bzw. Geschäftsmodellen gehören Anzahlungen zum Standard
(z. B. bei vielen Handwerkern) und sollten unbedingt beibehalten
werden. | DSO |
Identifikation von langsam drehenden Produkten bzw.
Ladenhütern | Durchsicht der Produktpalette im Unternehmen und
Filterung jener Produkte, welche kaum bzw. selten verkauft werden: Welche
können eliminiert werden, um weniger liquide Mittel im Lager zu
binden? NWB Datenbank ▶ Portfolio-Analyse für KMU, Tool NWB JAAAC-51615 | DII |
Draufgaben und Dreingaben zur Reduktion des
Lagers | Um bestimmte Produkte aus dem Lager zu bekommen, kann
es hilfreich sein, „Pakete“ zu schnüren, um diese zu verkaufen.
Hierzu bieten sich gezielte Aktionen zur Verkaufsförderung an. | DII |
Einführung eines Lagermanagements mit Bestellmengenoptimierung | Die Einführung von Bestellmengen ist hilfreich, um
Lagerkosten einzusparen, aber dennoch nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, ein
leeres Lager zu haben. NWB Datenbank ▶ Bestellmengen-Rechner NWB BAAAE-54166 | DII |
Verhandlungen mit Lieferanten hinsichtlich
Zahlungskonditionen | Dieser Prozess sollte jedes Jahr umgesetzt werden und
kann Preisverhandlungen hinsichtlich Rabatte und Skontozahlungen als auch die
Streckung von Zahlungszielen beinhalten. NWB Datenbank ▶ Skonto konsequent nutzen, Checkliste NWB PAAAF-68041, Skonto-Rechner NWB PAAAE-88181, Rabatt-Schnellrechner NWB FAAAF-18069, Rabattanalyse für KMU, Tool NWB MAAAC-67121 | DIPS. 138 |
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Übersicht 3: Jahresabschluss des
Einzelunternehmens | |||||
Position (per 31.12.) | GJ
1 | GJ
2 | GJ
3 | ||
Bilanz | |||||
AKTIVA | |||||
A. | ANLAGEVERMÖGEN | ||||
I. | Sachanlagen | ||||
1. | Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und
Bauten | 670.078,78 | 660.072,94 | 650.067,10 | |
2. | Andere Anlagen, Betriebs- und
Geschäftsausstattung | 156.707,07 | 102.247,70 | 74.182,79 | |
B. | UMLAUFVERMÖGEN | ||||
I. | Vorräte | ||||
1. | Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe | 400,00 | 250,00 | 290,00 | |
2. | fertige Erzeugnisse und Waren | 117.633,01 | 111.867,79 | 102.360,00 | |
II. | Forderungen und sonstige
Vermögensgegenstände | ||||
1. | Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 79.427,24 | 81.318,43 | 58.285,31 | |
2. | Sonstige Vermögensgegenstände | 26.244,44 | 48.657,77 | 46.615,10 | |
III. | Kassenbestand, Guthaben bei
Kreditinstituten | 177,61 | 2.707,17 | 3.568,94 | |
C. | RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN | 13.452,36 | 21.547,93 | 20.837,70 | |
SUMME
AKTIVA |
1.064.120,51 |
1.028.669,73 |
956.206,94 | ||
PASSIVA | |||||
A. | NEGATIVES EIGENKAPITAL | ||||
I. | Nennkapital (Stammkapital) | 15.000,00 | 15.000,00 | 15.000,00 | |
II. | Andere Gewinnrücklagen | 4.374,72 | 4.374,72 | 4.374,72 | |
III. | Gewinnvortrag | 16.985,85 | 35.623,94 | 48.692,78 | |
B. | RÜCKSTELLUNGEN | ||||
1. | Rückstellungen für Pensionen und ähnliche
Verpflichtungen | 18.155,80 | 8.545,28 | 10.815,92 | |
2. | sonstige Rückstellungen | 1.500,00 | 1.500,00 | 2.000,00 | |
C. | VERBINDLICHKEITEN | ||||
1. | Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten | 920.510,80 | 879.463,09 | 814.554,05 | |
2. | Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 56.141,28 | 53.182,26 | 41.062,56 | |
3. | sonstige Verbindlichkeiten | 31.452,06 | 30.980,44 | 19.706,91 | |
SUMME
PASSIVA |
1.064.120,51 |
1.028.669,73 |
956.206,94 | ||
Gewinn-
und Verlustrechnung | |||||
1. | Umsatzerlöse | 720.793,60 | 637.003,92 | 537.602,65 | |
2. | sonstige betriebliche Erträge | ||||
a. | Erträge aus dem Abgang von Anlagevermögen | 1.500,00 | 0 | 0 | |
b. | Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen | 0 | 9.610,52 | 0 | |
c. | übrige Erträge | 43.993,78 | 42.595,28 | 75.903,55 | |
3. | Aufwendungen für Material und sonstige
bezogene Herstellungsleistungen | -336.551,11 | -327.272,45 | -321.835,41 | |
4. | Personalaufwand | ||||
a. | Löhne und Gehälter | -165.699,38 | -135.568,00 | -76.118,58 | |
b. | Aufwendungen für Altersversorgung und für
Unterstützung | -2.289,13 | 0 | -2.270,64 | |
c. | Soziale Abgaben | -10.835,57 | -6.862,68 | -17.561,34 | |
d. | sonstige Sozialaufwendungen | -1.776,35 | -5.021,31 | -2.553,69 | |
5. | Abschreibungen | -55.781,07 | -45.929,11 | -39.491,58 | |
6. | sonstige betriebliche Aufwendungen | -131.026,35 | -123.291,78 | -109.976,92 | |
7. | Betriebsgewinn/-verlust
(EBIT) |
62.328,42 |
45.264,39 | 43.998,04 | |
8. | sonstige Zinsen und ähnliche Erträge | 88,24 | 217,66 | 0 | |
9. | Zinsen und ähnliche Aufwendungen | -30.597,15 | -26.843,96 | -30.929,20 | |
10. | Ergebnis der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit |
31.819,51 |
18.638,09 |
13.068,84 | |
11. |
Gewinnvortrag |
16.985,85 |
35.623,94 |
48.692,78S. 139 | |
III. Praxisfall: Kennzahlen zur Analyse und Steuerung des Cashflow-Zyklus
Die Zeitdauer des Cashflow-Zyklus wird mit folgender Gleichung ermittelt:
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Cashflow-Zyklus | = | Days in Inventory (DII) + Days Sales Outstanding (DSO) - Days in
Payables (DIP) |
Die einzusetzenden Kennzahlen werden wie folgt definiert:
DII = 365 Tage • Lagerbestand / Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
DIP = 365 Tage • Verbindlichkeiten aus LuL / Aufw. für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
DSO = 365 • Forderungen aus LuL / Umsatzerlöse
Übersicht 3 stellt den Jahresabschluss eines Einzelunternehmens für drei aufeinander folgende Geschäftsjahre dar.
In der Praxis wird in der Formel manchmal auch der durchschnittliche Bestand (von Lager, Verbindlichkeiten und Forderungen) verwendet, welcher sich aus dem gewichteten Durchschnitt des Anfangs- und des Endbestands der jeweiligen Position ergibt. In den folgenden Berechnungen des Praxisfalls wird jedoch keine Durchschnittsbildung vorgenommen.
Ausgehend von den Daten können die dargestellten Kennzahlen und auch der Cashflow-Zyklus berechnet werden (vgl. Übersicht 4).
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Übersicht 4: Kennzahlen zur Berechnung des
Cashflow-Zyklus | |||
Kennzahlen | GJ
1 | GJ
2 | GJ
3 |
Lagerbestand | 118.033,01 € | 112.117,79 € | 102.650,00 € |
Debitorenstand | 79.427,24 € | 81.318,43 € | 58.285,31 € |
Kreditorenstand | 56.141,28 € | 53.182,26 € | 41.062,56 € |
DII (in Tagen) | 128 | 125 | 116 |
DIP (in Tagen) | 61 | 59 | 47 |
DSO (in Tagen) | 40 | 47 | 40 |
CFC (in Tagen) | 107 | 112 | 109 |
Es ist erkennbar, dass in allen drei Geschäftsjahren der Zyklus mehr als 100 Tage dauert, was insgesamt als lange Zeitspanne anzusehen ist. Diese Kennzahl bestätigt auch die hohe Abhängigkeit dieses Unternehmens von der Kontokorrentfinanzierung, bei welcher der Rahmen über das ganze Jahr hinweg voll ausgenutzt war. Besonders stark wirkt hier die Kennzahl DII, die zwischen 116 und 128 Tagen liegt. Das Unternehmen hat demnach eine niedrige Lagerumschlagshäufigkeit, welche aufgrund der stetigen Lieferbereitschaft in Kauf genommen wurde.
Positiv zu vermerken ist, dass DSO kürzer als DIP ist. Dies lässt darauf schließen, dass die eigenen Kunden schneller zahlen, als es das Unternehmen selbst macht, wobei sich DIP im Zeitablauf stetig verschlechtert hat (d. h. die Lieferanten werden im GJ 3 deutlich früher bezahlt, als es noch im GJ 1 der Fall war).
Im 3-Jahres-Vergleich sieht man, dass dieser Einzelunternehmer keine Verbesserung des Cashflow-Zyklus erzielen konnte und dass sich die Dauer bezogen auf das GJ 1 sogar erhöht hat. Die Ansatzpunkte sind klar im Lager gegeben. Dieses stellt bei diesem Unternehmen den wesentlichen Faktor für den erhöhten Vorfinanzierungsbedarf dar.
Ausgehend vom Zahlenmaterial kann nun berechnet werden, wie sich eine Verkürzung des Cashflow-Zyklus auf die Finanzierungskosten auswirken kann. Dabei werden für das Beispielunternehmen folgende Annahmen getroffen:
Im Kontokorrentfinanzierungsbereich muss das Unternehmen 6 % p. a. bezahlen.
Der gesamte Umsatz und die Aufwendungen des Unternehmens laufen über die Vorfinanzierung.
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Übersicht 5:
Reduktion von Finanzierungskosten über Senkung des Cashflow-Zyklus (Zinssatz:
6 % p. a.) | ||||
Position | GJ
1 | GJ
2 | GJ
3 | |
1. Umsatzerlöse | 720.793,60 | 637.003,92 | 537.602,65 | |
3. Aufwendungen für Material/bezogene
Leistungen | 336.551,11 | 327.272,45 | 321.835,41 | |
4. Personalaufwand | 180.600,43 | 147.451,99 | 98.504,25 | |
6. sonstige betriebliche
Aufwendungen | 131.026,35 | 123.291,78 | 109.676,92 | |
kurzfristiges Finanzierungsvolumen | 1.368.971,49 | 1.235.020,14 | 1.067.619,23 | |
Finanzierungsaufwand (Zinsaufwand) | 30.597,15 | 26.843,96 | 30.929,20 | |
Einsparung durch Reduktion (3 Tage) | 675,11 | 609,05 | 526,5 | |
in % des
Finanzierungsaufwands | 2,21 % | 2,27 % | 1,70 % | |
Einsparung durch Reduktion (5 Tage) | 1.125,18 | 1.015,09 | 877,5 | |
in % des
Finanzierungsaufwands | 3,68 % | 3,78 % | 2,84 % | |
Einsparung durch Reduktion (7 Tage) | 1.575,25 | 1.421,12 | 1.228,49 | |
in % des
Finanzierungsaufwands | 5,15 % | 5,29 % | 3,97 % | |
Einsparung durch Reduktion (10 Tage) | 2.250,36 | 2.030,17 | 1.754,99 | |
in % des
Finanzierungsaufwands | 7,35 % | 7,56 % | 5,67 % | |
Einsparung durch Reduktion (12 Tage) | 2.700,44 | 2.436,20 | 2.105,99 | |
in % des
Finanzierungsaufwands | 8,83 % | 9,08 % |
6,81 %S. 140 | |
Die Zahlen zeigen auch bei diesem Unternehmen (welches kein besonders hohes kurzfristiges Finanzierungsvolumen hat), dass es sich lohnen kann, eine Reduktion des Cashflow-Zyklus in Angriff zu nehmen. Besonders wertvoll ist in diesem Zusammenhang der relative Vergleich zum Finanzierungsaufwand (Zinsaufwand), da hier der Effekt noch besser dargestellt und abgeschätzt werden kann.
Eine Verkürzung des Cashflow-Zyklus geht demnach mit einer Reduktion von Finanzierungskosten einher. Die Praxis zeigt, dass vielen Unternehmern die Reduktion dieser Kosten ein hohes Anliegen ist. Neben den üblichen Verhandlungen mit Banken hinsichtlich Zinskonditionen können somit auch interne Maßnahmen vorgenommen werden, um hier entsprechend einwirken zu können.
Mit dem Tool Kapitalbindungsrechner für KMU NWB UAAAE-01160 können Sie den Cashflow-Zyklus pro Auftrag berechnen. Gleichzeitig können Sie simulieren, welche Einsparungen sich realisieren lassen, wenn eine oder mehrere Maßnahmen zur Reduzierung der Kapitalbindungskosten umgesetzt werden.
Auch mit dem Working Capital-Rechner NWB GAAAF-48199 können Sie die erläuterten Kennzahlen berechnen.
IV. Aussagen des Cashflow-Zyklus für die Unternehmenssteuerung
Für KMU kann der Einbezug des Cashflow-Zyklus sowie auch der damit zusammenhängenden Kennzahlen aus der Sicht der Unternehmenssteuerung sinnvoll sein. Insbesondere die frühzeitige Erkennung, ob sich der Cashflow-Zyklus negativ verändert, kann aufschlussreich sein. Ist dies der Fall, dann wird sich das zwangsläufig in einer längeren Vorfinanzierung und auch in höheren Finanzierungskosten niederschlagen.
Besonders interessant ist die monatliche Berechnung des Cashflow- Zyklus, um auch die Effektivität von bereits umgesetzten Maßnahmen prüfen zu können, wie beispielsweise die Umstellung bestimmter Kunden auf Abbucher oder die Beschleunigung des Mahnwesens. Diese Maßnahmen sollten sich nämlich bereits nach einiger Zeit in einer verkürzten Dauer niederschlagen. Ist dies nicht der Fall, dann ist das ein eindeutiger Hinweis darauf, dass diese Maßnahmen noch nicht ausreichend waren und weitere Aktionen angestoßen werden müssen.
Die Erfahrungen aus der Finanzkrise zeigen, dass Liquidität einen hohen Stellenwert eingenommen hat und dass die Aufrechterhaltung dieser Liquidität Kosten verursacht – bei KMU meist in Form von Zinsaufwänden.
Neben der klassischen Verhandlung mit Banken über die Höhe des Kontokorrentrahmens, den damit verbundenen Kosten, den Gebühren und vor allem auch dem Zinssatz, können Ihre Mandanten auch intern im Zuge des Working Capital-Managements Maßnahmen einleiten, um die Liquiditätssituation zu verbessern und die Finanzierungskosten zu reduzieren (vgl. hierzu auch Exler/Situm, Finanzierungsstruktur und -kosten optimieren – Anregungen und Beispiele für Ihre Beratung, NWB-BB 6/2014 S. 167 NWB XAAAE-65176).
Hierfür ist es erforderlich zu wissen, wie lange der Cashflow-Zyklus dauert, welchen man bei Kenntnis der Umschlagsdauer der Vorräte, der Forderungen und der Verbindlichkeiten berechnen kann.
Die daraus gewonnen Daten stellen die Grundlage für die Umsetzung weiterführender Maßnahmen dar, mit welchen der Cashflow-Zyklus reduziert werden kann. Das schlägt sich schlussendlich auf die Verbesserung der Liquidität und auch auf die Reduktion von Finanzierungskosten nieder.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu vermerken, dass es einen Mix unterschiedlicher Ansätze braucht, um eine effektive Reduktion zu ermöglichen. Die Erfahrungen zeigen, dass zwar Maßnahmen im Debitorenmanagement gute Ansätze zur Lösung des Problems darstellen, jedoch die damit erzielten Effekte durch ein vernachlässigtes Lager- und Kreditorenmanagement wieder verloren gehen. Dies ist auch deutlich beim Beispielunternehmen zwischen GJ 2 und GJ 3 ersichtlich. Die Verbesserung des DSO wurde durch die Erhöhung des DIP mehr als nur kompensiert.
Wenn man sich somit entschließt, den Cashflow-Zyklus zu reduzieren, dann sollte ein umfassendes Konzept mit folgenden Teilbereichen umgesetzt werden: Lager-, Debitoren- und Kreditorenmanagement. Darüber hinaus sollte der Optimierungsprozess unbedingt durch ein Kennzahlensystem begleitet werden. Denn nur dann ist es möglich, den Erfolg der gesetzten Maßnahmen auf die Liquidität und die Finanzierungskosten zu bewerten und zu optimieren.
Fundstelle(n):
NWB-BB 5/2017 Seite 136
QAAAG-43304
