NWB-BB Nr. 9 vom Seite 257

Was bedeuten die Börsenturbulenzen für Ihre Mandanten?

Dipl.-Kfm. Heiko Lucius | Verantw. Redakteur | nwb-bb-redaktion@nwb.de

Nach den Kursabstürzen in den Jahren 2000 und 2008 befinden sich die Börsen zurzeit wieder einmal in einer turbulenten Phase. Wie geht es nun weiter? Die Pessimisten befürchten eine Rezession, die Optimisten weisen beharrlich darauf hin, dass die Märkte überreagiert haben und eine langfristige Erholung bevorsteht. Doch zum einen ist die Börse und damit die Entwicklung der Aktien nicht alleine rational zu erklären, sondern besteht zu einem Großteil auch aus Psychologie. Zum anderen sind viele wirtschaftliche Probleme von der Politik weiter ungelöst.

Sicherlich wird es eine Erholung an den Aktienmärkten geben. Doch die spannende Frage ist nicht „wann”, sondern „wie lange”: Wie lange wird sie diesmal anhalten? Zwei Jahre oder vielleicht nur ein Jahr? Tatsache ist: Die Börsenzyklen werden immer kürzer, und Börsenguru Kostolany würde mit seiner These der „passiven Depotverwaltung” heutzutage wahrscheinlich nur noch verständnisloses Kopfschütteln ernten. Aber auch die kurzen Börsenzyklen passen irgendwie in die heutige schnelllebige Zeit von rasantem technischen Fortschritt, oberflächlichen Facebook-Freunden und dem ständigen Innovationsdrang in Unternehmen.

Die jetzige Situation dürfte den meisten Ihrer Mandanten jedoch keine unruhigen Nächte bescheren. Dies vor allem aus zwei Gründen:

  • Die meisten Unternehmen Ihrer Mandanten werden nicht börsennotiert sein, so dass die sinkenden Aktienkurse keinen direkten Einfluss auf die Unternehmenswerte haben.

  • Schätzungen zufolge bestehen Familienvermögen zu über 70 % aus unternehmerisch gebundenem Vermögen. D. h. die Mandanten schütten nur einen kleinen Anteil des Jahresüberschusses aus, um ihr Privatvermögen – wozu auch Aktien gehören – zu mehren. Der Aktienanteil ist demzufolge relativ klein.

Das „Klumpenrisiko Unternehmen”

Die relativ geringe Ausschüttung des Jahresüberschusses an den Unternehmer erweist sich in der derzeitigen Situation als Glücksfall. Langfristig gesehen sehen die Autoren Niggemann und Simmert darin jedoch ein sog. Klumpenrisiko. In ihrem Beitrag ab S. 268 erläutern sie, dass das in Familienunternehmen gebundene Vermögen langfristig einem deutlich höheren Risiko unterliegt als das Privatvermögen. Unter dem Eindruck der Börsentalfahrten scheint diese Aussage zwar eindeutig widerlegt, hat jedoch nach wie vor ihre Gültigkeit. Denn im Gegensatz zum Unternehmensvermögen kann das Privatvermögen beispielsweise auf verschiedene Anlageklassen verteilt werden. Wie auch immer Ihre Mandanten ihr Gesamtvermögen verteilt haben – als Berater sollten Sie ihnen raten, die beiden Vermögensbereiche zu trennen. Dann können sie nicht nur den nächsten Börseneinbruch, sondern auch Unternehmenskrisen besser überstehen.

Beste Grüße

Heiko Lucius

Fundstelle(n):
NWB-BB 9/2011 Seite 257
NWB TAAAD-90020