PiR Nr. 5 vom 11.05.2018 Seite 1

Kausalität und ihre Umkehrung in der Rechnungslegung

WP/StB Dr. Norbert Lüdenbach | Herausgeber | pir-redaktion@nwb.de

Das Verhältnis von ökonomischer Realität und bilanzieller Abbildung ist facettenreich. Schon dem Gesetzesbefehl in IAS 1.15, die Lage im Abschluss „entsprechend den tatsächlichen Verhältnissen darzustellen“, folgt sogleich ein Verweis auf die Grenzen der Bilanzwahrheit: „Die Anwendung der IFRS ... führt annahmegemäß zu Abschlüssen, die ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermitteln.“ Es geht deshalb aus der Innenperspektive der IFRS zunächst gar nicht darum, Bilanzwahrheit zu verlangen, sondern diese zu definieren. In der Außenperspektive (Rechtsvergleich) ist es dann eine Frage der Qualität dieser Regeln, wie viel Wahrheit regelkonforme Abschlüsse generieren. Beide Perspektiven sind darauf gerichtet, wie eine schon gegebene Realität bilanziell abzubilden ist. Das Verhältnis kann sich aber auch umkehren. Dies spielte beim Enron-Skandal eine bedeutende Rolle, indem das Management lieber in (risikoreiche) zum fair value abzubildende langfristige Energiekontrakte investierte als in dem Anschaffungskostenprinzip unterliegende Energieanlagen (dazu grundlegend: Lüdenbach/Hoffmann, DB 2002 S. 1169 ff.). Im vorgenannten Spannungsfeld bewegen sich die Aufsätze des Mai-Hefts.

Carsten Heuring und Stephan Burghardt untersuchen „Die Umsetzung von (i)XBRL in der Unternehmenspraxis.“ Mit dem Ziel, die Abbildung gegebener ökonomischer Vorgänge „in einem globalen Umfeld vergleichbarer zu machen, um somit Transparenz zu ermöglichen,“ verlangt die ESMA ab 2020 Abschlussdaten nach XBRL. Die Autoren zeigen die prozessualen Anforderungen an eine solche Berichterstattung und begreifen sie als Chance, sich bei der Bilanzaufstellung stärker auf das Wesentliche zu fokussieren.

Teils mit der Abbildung gegebener Sachverhalte, teils mit deren Anpassung an Regeln befassen sich Thomas Hagemann und Günter Neumeier in ihrem Beitrag zur „Geänderten Behandlung von Sonderereignissen nach IAS 19. Die vor allem Pensionen betreffenden Regelungen kritisieren die Autoren u. a. deshalb, weil Sonderereignisse (Planänderungen etc.) unbedeutender Größe eine vollständige Neuberechnung auslösen können. Ein Fazit für die Gestaltung, also die Anpassung der Realität an die Regeln deshalb: „Zum anderen könnten Unternehmen kleinste Sonderereignisse bewusst herbeiführen, um bei günstig veränderten Bewertungsprämissen eine Neuberechnung des Aufwands zu verursachen.“

Ausschließlich mit der umgekehrten Kausalitätsrichtung befasst sich der Beitrag von und . „Trägt IFRS 16 Leasingverhältnisse zu Grabe?“ lautet die Fragestellung. Auf Basis semi-strukturierter Interviews mit börsennotierten Unternehmen erwarten die Autoren, dass die neuen Leasingregelungen des IFRS 16 bei Unternehmen mit einem bisher hohen Maß an Leasingverträgen über bewegliche Vermögenswerte eine Verlagerung von Leasingtransaktionen zu Kauftransaktionen bewirken werden.

Den Beitrag zu IFRS 16 komplettiert die neue Arbeitshilfe „Abbildung von Mobilienleasing nach IFRS 16“, die wir einer Anregung der PiR-Leserschaft folgend erstellt haben. Das zugehörige Excel-Tool ermöglicht die Berechnung und Dokumentation von Leasingverhältnissen und steht Ihnen in der NWB Datenbank unter der DokID NWB LAAAG-81575 zur Verfügung. Eine Einführung bzgl. des Handlings finden Sie auf S. 151. Wir freuen uns, wenn Sie dieses Tool unterstützt. Gerne sehen wir Anregungen zu weiteren Arbeitshilfen (z. B. Ablaufdiagramme/sonstige Visualisierungen) entgegen.

Beste Grüße

Norbert Lüdenbach

Fundstelle(n):
PiR 5/2018 Seite 1
NWB VAAAG-82321

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